Strenge Voraussetzungen bei Zuzahlung Perücke

15. November 2021

Das Landessozialgericht  in Schleswig-Holstein hat mit Urteil vom 9. November 2021 entschieden (L 10 KR 92/18), dass Haarstudios von gesetzlich Versicherten nur unter bestimmten Voraussetzungen eine Zuzahlung beim Kauf einer Perücke verlangen dürfen.

Klägerin war eine Frau mit dauerhaftem, krankheitsbedingten Haarausfall, vermutlich Alopecia areata. Aber das wird nicht explizit benannt.

Mit dem ärztlichen Rezept für eine Perücke wurde ihr in einem Haarstudio eine Perücke für rund 900 Euro angeboten. Diese Summe entsprach der vertraglichen Vereinbarung zwischen der gesetzlichen Krankenversicherung der Patientin und dem Zweithaarstudio.

Die Frau war mit dieser Versorgung jedoch nicht zufrieden und suchen sich eine Echthaarperücke für über 2.000 Euro aus. Das Perückenstudio forderte somit eine Zuzahlung von 1.100 Euro von der Kundin, die sich wiederum diese Summe von ihrer Krankenkasse erstatten lassen wollte. Mit ihrer Begründung berief sie sich darauf, dass dem Haarstudio die Herstellung bzw. Anpassung eines hochwertigen Haarersatzes zum Vertragspreis nicht möglich sei. Der Krankenversicherer weigerte sich, die Mehrkosten zu übernehmen.

„Die Richter waren überzeugt, dass das Haarstudio die Klägerin auch zu den mit der Krankenkasse vereinbarten Vertragspreisen mit einer geeigneten Echthaarperücke hätte versorgen können. Eine Zuzahlung habe das Studio allerdings nur dann von der Versicherten verlangen können, wenn diese eine in dem Vertrag mit der Kasse dafür vorgesehene Mehrkostenvereinbarung unterschrieben hätte. Das sei nicht der Fall gewesen.

Ohne die schriftliche Abgabe einer solchen Erklärung entstehe jedoch weder ein Zuzahlungsanspruch des Haarstudios gegenüber der Frau, noch ein Erstattungsanspruch der Betroffenen gegenüber ihrem Krankenversicherer.“

In einem zweiten Fall hatte die gesetzliche Krankenversicherung einer Klägerin keinen Vertrag mit dem beauftragten Haarstudio abgeschlossen, obwohl dies gesetzlich vorgeschrieben ist.

Die Krankenkasse wollte für die von der Patientin ausgesuchten Perücke nur einen Zuschuss von 350 Euro zahlen. Dieses Urteil ging in vollem Umfang zugunsten der Klägerin aus.

Weil die Krankenkasse es versäumt hatte, mit dem Haarstudio einen Vertrag zu schließen, wurde sie vom Schleswig-Holsteinischen Landessozialgericht verurteilt, die vollständigen Kosten für die Perücke in Höhe von 1.500 Euro zu erstatten (L 10 KR 122/17).

Quelle:
https://www.versicherungsjournal.de/versicherungen-und-finanzen/ohne-vertrag-keine-zuzahlung-bei-haarersatz-143439.php