Schwerbehinderung bei Haarausfall

Mi, 05/19/2021 - 13:02

haircoaching - Ob man den Schwerbehindertenausweis beantragt oder nicht, muss jeder für sich entscheiden. Der Gesetzgeber hat mit dem Schwerbehindertengesetz Menschen, die aufgrund einer Behinderung Nachteile erleiden, die Möglichkeit geschaffen, den entsprechenden Ausgleich zu erhalten. Insbesondere beim erblich bedingten männlichen Haarausfall wird man in der Regel keinen positiven Bescheid erwarten können. Nur wer tatsächlich unter den Folgen seines Haarausfalls leidet sollte diese Vergünstigungen auch in Anspruch nehmen dürfen.

Wenn einer Frau beim Arbeitsamt geraten wird, keine Tücher, sondern Perücken zu tragen, um ihre Chancen auf einen neuen Arbeitsplatz zu verbessern, wenn man im ganz normalen Alltagsleben auf gewisse Dinge wie Sauna oder Sport verzichtet aus Angst, die Kopfbedeckung zu verlieren und sich dem Gespött der Mitmenschen auszusetzen, dann muss von einer Behinderung im Sinne des Gesetzgebers gesprochen werden. Im Paragraph 3 des Schwerbehindertengesetzes (SchwbG) spricht man im Absatz 1 von

Behinderung im Sinne dieses Gesetzes ist die Auswirkung einer nicht nur vorübergehenden Funktionsbeeinträchtigung, die auf einem regelwidrigen körperlichen, geistigen oder seeli-schen Zustand beruht. Regelwidrig ist der Zustand, der von dem für das Lebensalter typischen abweicht. Als nicht nur vorübergehend gilt ein Zeitraum von mehr als sechs Monaten. (…)
Quelle: https://behinderung.org

Wer glaubt, dass bei ihm eine Behinderung vorliegt, muss dies von sich aus beantragen. Dies geschieht durch ein formloses Schreiben. Der Satz „hiermit beantrage ich die Feststellung der Schwerbehinderteneigenschaft“ genügt. Allerdings muss man die behandelnden Ärzte von der Schweigepflicht befreien, denn diese werden vom zuständigen Amt kontaktiert und um Befundberichte gebeten. Die Anträge für das jeweilige Bundesland kann man dem folgenden Link entnehmen:
VERSORGUNGSÄMTER

Da der Gesetzgeber die Eingliederung behinderter Menschen als eine besondere gesellschaftliche Aufgabe betrachtet, versucht er mit diesem Gesetz die Nachteile auszugleichen, die diesen Personen aufgrund ihrer Behinderung entstehen.

§ 2

Gleichgestellte

(1) Personen mit einem Grad der Behinderung von weniger als 50, aber wenigstens 30, bei denen im übrigen die Voraussetzungen des § 1 vorliegen, sollen auf Grund einer Feststellung nach § 4 auf ihren Antrag vom Arbeitsamt Schwerbehinderten gleichgestellt werden, wenn sie infolge ihrer Behinderung ohne die Gleichstellung einen geeigneten Arbeitsplatz im Sinne des § 7 Abs. 1 nicht erlangen oder nicht behalten können. Die Gleichstellung wird mit dem Tag des Eingangs des Antrages wirksam. Sie kann befristet werden.

Schwerbehinderte können eine Reihe von Rechten und Vorteilen in Anspruch nehmen. Diese reichen vom Grundgesetz über das Gesetz zur Sicherung der Eingliederung Schwerbehinderter in Arbeit, Beruf und Gesellschaft (SchwbG) bis in die Regelungen des Sozialrechtes hinein sowie Rentenvorteile, besonderer Kündigungsschutz, Urlaubstage und Steuerfreibeträge.

Bescheinigt wird eine Behinderung durch den Schwerbehindertenausweis, auf dem der Grad der Behinderung und weitere gesundheitliche Merkmale verzeichnet sind, jedoch nicht der Grund der Behinderung. Die Maßeinheit für den Grad der Behinderung wird durch die Abkürzung GdB in Prozent dargestellt.

Im Gegensatz zur gesetzlichen Unfallversicherung beziehen sich der GdB nach dem SchwbG und die MdE nach dem Bundesversorgungsgesetz nicht nur auf Einschränkungen im Erwerbsleben, sondern berücksichtigen auch Einbußen im übrigen, „täglichen“ Lebensbereich. Der Arzt wird nach aller Erfahrung auch die Besonderheiten der jeweiligen Anspruchsberechtigungen in seine Beurteilung mit einfließen lassen.

Im Schwerbehindertenrecht sind Behinderungen nicht nur festzustellen, sondern auch zu beurteilen. Außergewöhnliche seelische Begleiterscheinungen müssen berücksichtigt werden und führen gegebenenfalls zur Erhöhung des sonst üblichen Wertes.

Schwerbehinderung Haarausfall

In der MdE-Tabelle findet man den Begriff „Haarausfall“ unter dem Punkt Haut - Als GdB werden hierfür 30% angesetzt.

Im Einleitungstext kann man folgende Formulierung lesen:

Bei Entstellungen ist zu berücksichtigen, dass sich Schwierigkeiten im Erwerbsleben, Unannehmlichkeiten im Verkehr mit fremden Menschen sowie seelische Konflikte ergeben können. Besonders gilt dies bei der Entstellung des Gesichts. Bei Frauen können Entstellungen schwerer wiegen als bei Männern.

Wenn mehrere Behinderungen vorliegen, muss eine Gesamt-MdE angegeben werden, die aber nur dann ermittelt werden kann, wenn alle – auch nicht-dermatologischen – Fachgutachten vorliegen. Wobei die Auswirkungen der einzelnen Behinderungen in ihrer Gesamtheit und unter Berücksichtigung ihrer wechselseitigen Beziehungen zu bewerten sind, da sie eventuell auch sehr verschiedene Bereiche des täglichen Lebens betreffen und sich in ihren Auswirkungen überschneiden sowie gegenseitig verstärken können. Ein einfaches Addieren der einzelnen Prozentsätze ist deshalb nicht üblich.

Kommen andere Beeinträchtigungen wie z.B. ein Rückleiden hinzu, kann es bis zu 50 % geben. Sollte der Antrag abgelehnt werden, besteht das Recht, gegen diesen Bescheid Widerspruch einzulegen.

 

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