Zusammenhang zwischen Alopecia areata und anderen Autoimmunerkrankungen

Mo, 12/14/2020 - 16:13

Ein Artikel von Jenny Latz - Erster Anlass für diesen Artikel war zunächst, dass ich nach einigen Jahrzehnten mit der Alopecia areata (AA) mit Anfang 50 eine rheumatoide Polyarthritis entwickelte. Nach meiner Kenntnis hatte dies niemand in unserer Familie gehabt. Dann kam in den letzten Jahren hinzu, dass ich von einigen Areata-Betroffenen, mit denen ich nun schon seit über 20 Jahren in Kontakt stehe, erfuhr, dass sie ebenfalls weitere Autoimmunerkrankungen zur Areata zusätzlich bekommen haben. Mir war bekannt, dass man von einer sogenannten "Vergesellschaftung" der Alopecia areata mit weiteren Autoimmunkrankheiten unter Wissenschaftlern sprach. Ich recherchierte und bekam kompetente Hilfe von Frau Univ.-Prof. Dr. med. Ulrike Blume-Peytavi, Kommissarische Direktorin der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie an der Charité in Berlin und von Frau Prof. Dr. med. Regina Betz, Fachärztin am Institut für Humangenetik der Universität Bonn und Mitglied des Expertenrats von Haircoaching®. Hierfür vorab mein herzlicher Dank!

Zum Zusammenhang zwischen der Alopecia areata und weiteren autoimmunen Erkrankungen gibt es unzählige Untersuchungen, die jedoch vorwiegend aus dem Ausland, insbesondere aus den USA stammen. Ich habe im folgenden Inhalte aus vier aktuelleren Studien übersetzt und für euch zusammengestellt. Vorab jedoch eine Worterklärung des Begriffs Komorbidität, der so viel bedeutet wie ein weiteres, diagnostisch abgrenzbares Krankheitsbild oder Syndrom, das zusätzlich zu einer Grunderkrankung (Indexerkrankung) vorliegt.1 Der Einfachheit halber werde ich diesen Begriff hier verwenden.

Es ist sehr schwer vorherzusagen, welche Patienten mit Alopecia areata im späteren Leben an einer schweren Erkrankung leiden werden. In den USA gibt es ein Nationales Alopecia Areata Register, auf dessen Grundlage dort eine rückblickende Studie² im Jahr 2017 veröffentlicht wurde. Es stellte sich heraus, dass die atopische Dermatitis bei Patienten mit schwerer AA häufiger auftrat als bei Patienten mit leichter Erkrankung. Die häufigsten Autoimmunkomorbiditäten waren Vitiligo, Psoriasis, Schilddrüsenerkrankungen und juvenile idiopathische Arthritis.

Eine weitere rückblickende Studie an 871 AA Patienten in Korea untersuchte 2014 die Unterschiede der Komorbidität zwischen AA Patienten mit frühem und spätem Auftreten der Alopecia areata.³ Die Studie wollte die Unterschiede im Komorbiditätsprofil von AA in Bezug auf das beginnende Alter bewerten.
Die an der Studie teilnehmenden 871 AA-Patienten wurden zunächst in zwei Gruppen unterteilt, denjenigen, die nach und denen, die vor dem 13. Lebensjahr erstmals eine AA entwickelten. Signifikant mehr Patienten aus der Frühgruppe hatten eine Vorgeschichte mit atopischer Dermatitis oder eine Familienanamnese mit AA. Diese Ergebnisse stimmen mit früheren Berichten überein, in denen früh einsetzende AA mit Autoimmunerkrankungen und einer Familienanamnese von AA in verschiedenen ethnischen Bevölkerungsgruppen in Verbindung gebracht wurde. Die meisten serologischen Testwerte zeigten keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen und die Ergebnisse waren erheblich altersabhängig.
Diese Bedeutsamkeit dieser Studie besteht darin, da es sich um eine große Patientengruppe handelt und koreanische AA-Patienten, bei denen die AA vor der Pubertät einsetzt, ähnliche klinische Manifestationen aufweisen wie andere ethnische Bevölkerungsgruppen.

Eine Forschergruppe aus Taiwan verglich im Jahr 2011 ebenfalls den Zusammenhang zwischen Komorbidität und Alter zu Beginn der AA4 und wollte verstehen, welche Rolle atopische und autoimmune Erkrankungen bei AA spielen, und deren Entstehung zu erklären.
Das Besondere an dieser Studie ist die große Zahl untersuchter AA Patienten und der lange Zeitraum. Von 1996 bis 2008 wurden insgesamt 4.334 Patienten mit AA aus der Nationalen Krankenversicherungsdatenbank untersucht. Als Kontrollpersonen diente eine nationale repräsentative Gruppe von 784.158 Personen.
Bei Patienten mit AA gab es signifikante Zusammenhänge mit Vitiligo, Lupus erythematodes, Psoriasis, atopischer Dermatitis, Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse und allergischer Rhinitis. Unterschiedliches Alter zu Beginn führte zu unterschiedlichen Komorbiditäten. Ein erhöhtes Risiko für eine atopische Dermatitis und Lupus erythematodes wurde bei AA-Kindern unter 10 Jahren festgestellt. Zusätzliche Erkrankungen wie Psoriasis und rheumatoide Arthritis traten im Alter von 11 bis 20 Jahren auf. Die meisten atopischen Erkrankungen und Autoimmunerkrankungen wurden im Alter von 21 bis 60 Jahren beobachtet. Mit dem beginnenden Alter älter als 60 Jahre war die Schilddrüsenerkrankung in hohem Maße mit AA verbunden. Darüber hinaus hatten Patienten mit AA ein höheres Risiko für mehr gleichzeitig auftretende Krankheiten als die Kontrollpersonen.
Demnach ist die AA mit verschiedenen atopischen und autoimmunen Erkrankungen verwandt.

Und zum Schluss möchte ich noch auf eine weitere Langzeitstudie5 aus den USA zu Komorbiditäten bei Patienten mit Alopecia areata hinweisen. Von 2005 bis 2014 wurden 584 AA Patienten mit unterschiedlichem Schweregrad aus dem Alopecia-Register der Cleveland Clinic untersucht. Eine Kontrollgruppe von 172 Patienten mit der Diagnose seborrhoischer Dermatitis ohne Haarausfall wurde nach dem Zufallsprinzip ausgewählt. Es wurden Daten über Geschlecht, Alter und vorher mit AA verbundene Zustände wie Atopie, Ernährungsdefizite, Schilddrüsenerkrankungen und psychiatrische Störungen erhoben. Die Kriterien für die Aufnahme waren die Diagnose von AA durch einen Dermatologen der Cleveland Clinic und das Vorhandensein einer aktuellen Komorbiditätsliste in der Krankenakte des Patienten.
Die Mehrheit der Patienten mit AA waren Frauen (68,50% gegenüber 31,50%) mit einem Durchschnittsalter von 35,54 ± 19,28 Jahren. Bedingungen, die positiv mit AA verbunden waren, waren Ekzeme, Schilddrüsenerkrankungen, Vitamin-D-Mangel und Anämie. Negativ mit AA verbundene Zustände waren Diabetes mellitus und Reizdarmsyndrom. In der weiblichen Bevölkerung hatten Patienten mit AA einen erhöhten Androgenspiegel und eine höhere Rate an Eierstockzysten.

Ähnlich wie in früheren Studien wurde ein erhöhtes Auftreten von Schilddrüsenerkrankungen, Ekzemen und Anämien sowie eine verringertes Vorkommen von Diabetes mellitus und Reizdarmsyndrom festgestellt. Darüber hinaus hatten Patienten mit AA mit höherer Wahrscheinlichkeit einen Vitamin-D-Mangel und erhöhte Androgenspiegel. Weitere Einblicke in diese Komorbiditäten könnten Ärzten helfen, AA besser zu verstehen und zu behandeln.

Quellen:

1 Wikipedia.org
² Alopecia Areata in der Pädiatrie: Eine retrospektive Analyse von Komorbiditäten bei Kindern im Nationalen Alopecia Areata-Register.
Pediatr Dermatol. 2017 Sep;34(5):e271-e272. doi: 10.1111/pde.13238.
³ Unterschiede in den Komorbiditätsprofilen zwischen Alopezie-Areata-Patienten mit frühem und spätem Auftreten: Eine retrospektive Studie an 871 koreanischen Patienten. Ann Dermatol. 2014 Dec;26(6):722-6. doi: 10.5021/ad.2014.26.6.722. Epub 2014 Nov 26.
4 Komorbiditätsprofile bei Patienten mit Alopecia areata: die Bedeutung des beginnenden Alters, eine landesweite bevölkerungsbasierte Studie.
J Am Acad Dermatol. 2011 Nov;65(5):949-56. doi: 10.1016/j.jaad.2010.08.032. Epub 2011 May 25.
5Komorbiditäten bei Patienten mit Alopecia areata. J Am Acad Dermatol. 2017 Apr;76(4):755-757. doi: 10.1016/j.jaad.2016.12.007.

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