Ist FUT bei der Haartransplantation noch relevant?

Fr, 11/20/2020 - 14:06

haircoaching - (Auszug aus dem Abstract von Dr. Andreas Finner1, Übersetzung und Zusammenfassung von Jenny Latz) Die Haartransplantation ist eine wichtige Behandlungsmethode bei fortgeschrittenem erblichen und inaktivem vernarbendem Haarausfall.
Bei der Standardtechnik wurde ein Hautstreifen mit mehreren Haarfollikeln entnommen und unter dem Mikroskop unterteilt. Diese Methode wird als Follicular Unit Transplantation (FUT) bezeichnet. Die wachsende Popularität der direkten Entnahme von jeder einzelnen FU, d.h. follikuläre Einheit mit Haarfollikel, mit Follicular Unit Excision (FUE) bezeichnet, hat die Frage aufgeworfen, ob die lineare Entnahme von Hautstreifen noch relevant ist.
Um den Unterschied zu demonstrieren wurden beide Entnahmetechniken bei einem typischen Patienten durchgeführt. Die Transplantatqualität wurde bewertet und verglichen. Die Dichte von FU im Spenderbereich wurde vor der Operation digital vermessen. Die mögliche Maximalausbeute von FU-Transplantaten sowie die Größe der Narbe und die Entnahmelänge wurden für die verschiedenen Szenarien von FUT, FUE und einer Kombination von beiden eingeschätzt.
Bei diesem Patienten war der Transplantatqualitätsindex von FUT-Transplantaten höher als bei FUE-Transplantaten. Der maximale Transplantatsgewinn wäre in FUT am höchsten in Kombination mit einem zweiten FUT oder FUE und niedriger allein in FUE. Die berechnete Größe der Narbe und die Länge ist im linearen FUT-Vergleich geringer als bei FUE.

Fazit:
Beide Entnahmetechniken haben ihre spezifischen Vor- und Nachteile. Beim linearen FUT, werden die Transplantate unter dem Mikroskop präpariert mit direkter Sicht. Besonders bei feinem Haar, kann dies die Zerteilung reduzieren und die Transplantate können mehr den Follikel umgebende Strukturen und Fettgewebe enthalten. Daher sind FUT-Transplantate oft robuster. Dies kann möglicherweise zu besserem Wachstum und mehr Fülle führen. Da die lineare FUT-Entnahme im sichersten Teil des Spenderbereichs erfolgen kann und nicht zu punktgenauen Narben führt, ergibt sie eine höhere Ausbeute und Sicherheitsmarge bei Patienten mit einem potenziell engen Spendergebiet.

Bei FUE beinhaltet die Entnahme einen blinden Schnitt und kraftvolle Extraktion, die zur Zerteilung von Follikeleinheiten führen und anfällige Transplantate entblößen kann, vor allem bei feinen Haaren und spreizenden FU. Bei vielen Patienten kann es sein, dass die Transplantatausbeute von FUE allein nicht ausreicht, wenn die Sicherheitszone eingehalten wird und eine Zuvielentnahme vermieden wird.
Sowohl lineares FUT als auch selektives FUE haben spezifische Indikationen. Eine Kombination kann die beste Möglichkeit sein bei fortgeschrittenen Stadien der Alopezie. Das würde bestes Handeln im Interesse des Patienten bedeuten, der Haarchirurg sollte beide Techniken beherrschen und die am besten geeignete Methode basierend auf einzelnen Kriterien empfehlen.

Quelle:
1 Andreas Finner, Trichomed Hair Medicine and Hair Transplantation, Berlin, Germany, 11th World Congress, Hair Research, Sitges, Barcelona, April 24th - 27th, 2019

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